Im 19. und Anfang 20. Jahrhundert gab es noch viele Gewerke , Gewerbe und Berufsformen die aus vielerlei Gründen heute ausgestorben sind . Hier ein Auszug aus der Frankenburger Gemeindechronik über Handwerk und Gewerbe :

Altwarenhändler, Bader, Buchbinder, Besenbinder, Bettwarenerzeuger, Bürstenbinder, Boten, Brunnenmacher, Damenschneider, Drechsler, Eierfrauen, Fellhändler, Färber, Gerber,Gemüsehändler, Greißler, Geschirrhändler, Handtaschenerzeuger, Hutmacher, Hafner, Handschuhmacher, Herrenschneider, Holzabschneider, Holzschuhmacher, Holzröhrenbohrer, Hufschmiede, Köhler, Käser, Kaffeeröster, Korbflechter, Lebzelter, Lohnfuhrwerker, Lumpensammler, Milchfuhrleute, Müller, Ofenhändler, Pfannenflicker, Pferdehändler, Riemer, Rechenmacher, Schirmmacher, Schinder, Schachtelmacher, Schuhriemenschneider, Sägewerker, Sodawassererzeuger, Sockenstricker, Seifensieder, Seiler, Stricker, Scherenschleifer, Sagfeiler, Sauabstecher, Seegrashändler, Wasenabdecker, Wagner, Wachszieher, Weber, Wagenschmiede, Viehhändler, Zinngießer , Zuckerwarenhändler......

 

Ich möchte versuchen hier einige dieser Handwerksformen wieder zu rekonstruieren , soweit Text und Bildmaterial zur Verfügung steht....

 

 

Verzeichnis :

 

Schafwolle Filzen                                                               Goldhaubenstickerei

Drahtzegaflechter                                                              Zwirnknopfnähen

Rastlbinder                                                                         Brunnenrohrbohrer

Schwingenflechter                                                             Abdecker oder Schinder

Raschpatschen                                                                   Müller

Besenbinder

Seiler

Schuster

Köhler

Holzschindelmacher

Sattler

Töpfer

Holzschuhmacher

Fasslbinder

Wagner

Strohkorbflechten

Federkielsticken

Seifensieder

Vogelschnitzer

Reitern und Siebe

 

wird nach und nach erweitert......

 

Schafwollpatschen
Schafwollpatschen

Filzen mit Schafwolle


Filzen ist eine Handwerkstechnik, die schon seit Jahrtausenden praktiziert wird. Aus Wolle, Wasser und Seife entsteht ein fester Stoff.
Auf diese Weise lassen sich alle möglichen Dinge herstellen: Bälle, Schnüre, Teppiche, nahtlose Handtaschen oder Bekleidung.
Die gereinigte, gekämmte und bis zum Vlies aufbereitete und eventuell gefärbte Schafwolle wird durch eine mechanische Bearbeitung (Walken) in einen festen Verbund gebracht. Die einzelnen Fasern sind dabei miteinander ungeordnet verschlungen. Die Haare von Schafen haben eine schuppenartige Oberfläche, deren mikroskopisch kleine Plättchen sich beim Walken dauerhaft ineinander verhaken . Bei den Völkern der Antike war das Filzen von Wolle gut bekannt, wie mehrere Erwähnungen in der Literatur der Griechen und Römer sowie in Pompeji ausgegrabene Fundstücke beweisen.




Erdäpfelzega
Erdäpfelzega

Drahtzeger flechten

 

Drahtzeger flechten war früher ein vorwiegend bäuerliches Handwerk . Auf ein vorher zurecht gebogenes Drahtgerüst aus je nach Belastungsanspruch 3 mm bis 5 mm früher schwarzen Eisendraht , werden im Abstand von ca 1,5 cm Längsdrähte befestigt . Mit einem Querdraht wird immer hin und her geflochten, ähnlich dem Teppichknüpfen mit grossen Luftmaschen . Ein Haselnussgriff wird entweder mitgeflochten oder nachher befestigt . Auf diese Weise lassen sich vielfältige Formen herstellen . Früher wurden mit der Technik auch Fenstergitter hergestellt, wie man sie heute noch vereinzelt in alten Bauernhäuser sehen kann.
Heute wird meist verzinkter Eisendraht verwendet und wird wieder vorwiegend im oberösterreichischen Zentralraum in Freilichtmuseen und einschlägigen Märkten noch als altes Handwerk vorgeführt .



Rastlbinder

 

Du Rasslbinder! So beschimpften früher ältere Leute einen einfältigen Menschen. Dabei war der Rasslbinder oder Rastlbinder oder im deutschen Raum der Topfstricker ein durchaus ehrenwerter Beruf , der in der Stör oder Ster , also auf Wanderschaft von einem Ort zum andern , ausgeführt wurde, ähnlich dem Kessel - und Pfannenflicker oder Scherenschleifer.
 Der Rastl-oder Rasslbinder im österreichischen Sprachgebrauch jedoch reparierte Tonkrüge und Tontöpfe indem er sie mit einem großmaschigem aber enganliegenden  Drahtgeflecht umgab oder auch neue Töpfe um sie vor dem Zerspringen zu sichern .
Dieses Handwerk ist so gut wie ausgestorben , nur mehr auf diese Weise reparierte Tongefäße sind erhalten geblieben und in unseren Heimatmuseen zu sehen.

 

Schwingenflechter
Schwingenflechter

Schwingen oder Scheibkorb flechten

 

Ein Handwerk das zumindest in Österreich bald vom Aussterben bedroht ist, ist das Schwingenflechten . Dazu wird eine Haselnussgerüst gebogen und dann mit mit gespaltenen Haselnuss oder Eschenstreifen mit einer Stärke von ca 2-3 mm ein Geflecht hergestellt . Dazu ist ein gewisses Fachwissen, mundartlich Foachtl notwenig, dass nur mehr sehr wenige beherrschen.
In Bayern, bzw. Deutschland ist dieses Handwerk sowie auch das Korbflechten aus Weiden ein Lehrberuf, daher ist zumindest von daher der Nachschub an diesen leichten und praktischen Holzkörben gesichert .

Raschpatschen
Raschpatschen

Raschpatschen nähen

 

Die sogenannten Raschpatschen werden aus dem heimischen Waldgras dem Rasch gemacht. Die Waldgras-Schuhe galten schon früher auf Bauernhöfen als Geheimwaffe gegen Schweißfüße. Die Grasschuhe nehmen rasch Feuchtigkeit auf, sondern den Schweiß aber auch schnell wieder ab.
Der Rasch wird im Sommer geschnitten , getrocknet und im Winter zu den warmen Patschen verarbeitet . Zuerst wird der Rasch zu langen Zöpfen geflochten und dann über einen Holzleisten zusammengenäht . Nach dem Aufnähen einer Ledersohle und dem Einnähen eines Innenstoffes und Endeln der Ränder steht einem warmen Fuss im Winter nichts mehr im Wege.

Reisigbesen
Reisigbesen

Besenbinder

 

Noch vor einigen Jahrzehnten gehörte das Besenbinden zu den Arbeiten während der kalten Jahreszeit. Für Reisigbesen verwendet man Birkenreisig . Dieses schneidet man am bestem im Herbst kurz nachdem die Bäume das Laub verloren haben auf eine Länge von 50–60 cm. Dann lässt man das Material trocknen. Bis zur Weiterverarbeitung presst man die Zweige zwischen zwei Bretter, das glättet die Struktur.
Zum Binden selbst nimmt man mehrere kleine Bündel und bindet sie mit einem Draht so fest als möglich zusammen . Traditionell nimmt man dazu Weidenruten . Weiter unten bindet man nochmals aufgeteilt auf drei Teile um die typische Form zu erhalten, angespitzen Stiel hineingeschlagen und fertig ist der Besen zum Kehren oder zum Ausritt.......





verdrillen
verdrillen

Seiler

 

Das Seil war spätestens im Mittelalter ein ganz wichtiger Gebrauchsgegenstand, der meistens aus Hanf oder Flachs hergestellt wurde. Der Beruf des Seilers selbst war zu dieser Zeit sehr angesehen .
Die Art ein Seil herzustellen, wird Verdrillen genannt. Dazu werden einzelne Fasern zu Fäden gesponnen, die wiederum zu sogenannten Litzen verdreht werden. Aus mehreren dieser Litzen wird anschließend ein Seil hergestellt.
Im ersten Arbeitsschritt stellt der Seiler aus seinem Rohmaterial (Hanf oder Flachs) eine Litze her. Bei dieser Tätigkeit werden mehrere Faserstränge so lange gedreht, bis sie zu einzelnen, dickeren Strängen werden. Damit sich diese nicht untereinander verdrehen, werden in einigem Abstand Seilböcke aufgestellt.
Das Verdrehen der einzelnen Faserstränge geschieht mit der Hilfe des Seilgeschirrs, in das die Fasern eingehängt werden.
Erst am Ende des 19 Jahrhunderts wurden auch bei der Seilherstellung verstärkt Maschinen genutzt. Die alte Kunst der Seiler verliert immer mehr an Bedeutung und gerät zu Zeiten der totalen Technisierung fast vollkommen in Vergessenheit.

 

 

 

Schuster

Als sich die Menschen vor tausenden Jahren Tierhäute und Felle um die Füsse wickelten, um sich so vor Dornen, spitzen Steinen und vor Kälte zu schützen, dachte niemand daran, welche wichtige Bedeutung das Schusterhandwerk erreichen würde .
Schuhmacher waren bis ins 14. Jh. auch für die Lederherstellung zuständig. Im 15. Jh. trennte sich der Beruf des Gerbers von dem des Schusters.
Man unterschied auch zwischen Neu - und Altschuster . Während der Neuschuster vorwiegend für neues Schuhwerk und Alltagsachen zuständig war,  machte der Altschuster meist Schuhreparaturen . Außerdem gab es auch Hausschuster, welche mit ihrem Handwerkszeug von Hof zu Hof zogen und altes Schuhwerk reparierten oder auch gelegentlich ein Paar neue Schuhe anfertigten.
Die industrielle Produktion von Konfektionsschuhen machte den Schuhmacher fast überflüssig, da immer mehr Käufer in Schuhgeschäfte abwanderten. Neben der orthopädischen Schuhmacherei, die als spezieller Berufszweig erhalten blieb, hat der klassische Schuhmacher auch heute noch seine Berechtigung .
Eine Spitzenleistung des Schuhmachers ist immer noch der Schuh nach Maß. Moderne Geräte und Materialen haben die Arbeit anspruchsvoller werden lassen und die meisterliche Schusterarbeit ist kein Auslaufmodell.

 

 

 

 

Köhler

Ein bei uns fast ausgestorbener Beruf oder Handwerk ist die Köhlerei.
In früheren Zeiten führten Köhler ein karges, einsames Leben. Sie lebten stets in der Nähe des Meilers in einer Köhlerhütte . Während des gesamten Mittelalters waren die Köhler geächtete Leute. Ihr Beruf galt als unehrenhaft.

Der Bau eines Meilers beginnt mit dem sogenannten " Füllhaus ", Dies ist ein Schacht mit Reisig von ca. 40 cm Durchmesser - mit einem Holzstamm in der Mitte.
Rund um das Füllhaus werden dann 2 bis 3 Stockwerke aus metrigen Holzstücken aufgebaut  Dann erhält der Meiler eine dichte, eng anliegende Verkleidung aus Fichten oder Tannenreisig. Darüber kommt ein ca. 20 cm dicker Mantel aus angefeuchteter Erde oder Kohlengries , sodass der Meiler luftdicht abgeschlossen ist. Von Zeit zu Zeit wird die den Meiler umgebende Erdschicht mit Wasser übergossen, damit sie nicht abbröckelt. Der Meiler ist nun luftdicht abgedeckt und der Füllbaum wird entfernt. Der Meiler kann jetzt angezündet werden, indem das Füllhaus mit glühender Holzkohle gefüllt wird. Ab jetzt beginnt die Verkohlung, die je nach Größe des Meilers ein bis zwei Wochen dauert.
Ab jetzt ist der Meiler aktiv und bedarf fachkundiger Betreuung rund um die Uhr . Ein erfahrener Köhler und ein Helfer, haben ihr Quartier neben dem Meiler errichtet und sind abwechselnd immer in der Nähe. Durch gezieltes Bohren oder Verschließen von Luftlöchern sowie richtig dosiertem Befeuchten der Mantelschicht wird der Meiler ständig kontrolliert.
Die Glut darf nicht nach aussen dringen, der Meiler darf nicht brennen, aber auch nicht ausgehen. Unter diesen Bedingungen verkohlt das Buchenholz .
Nach etwa einer Woche wird der Meiler endgültig mit viel Wasser gelöscht und der Abbau kann begonnen werden. Die so gewonnene Holzkohle wird zerkleinert, gesiebt und in Säcke gefällt zum Verkauf angeboten. Gute Qualität zeichnet sich durch glänzende Farbe und hellem Klang aus.

 

 

 

 

 

 

Holzschindelmacher

 

Schindeln sind eine uralte Form der Dachdeckung. Durch Ausgrabungen zeigte sich, dass der Mensch auch vor vielen tausend Jahren, Holz als Baustoff verwendete. Mittels Baumrinde schirmte er Dächer und Wände der Behausungen gegen Wind und Kälte ab, schuppenartig auf dem Dachstuhl ausgelegt, so dass Wasser nicht in den Innenraum eindringen konnte.
Holzschindel sind vorwiegend im Alpenraum und in den nördlichen Ländern verbreitet .
Durch das Spalten wird der natürliche Faserverlauf des Holzes nicht zerstört, was die gespaltene Schindel haltbarer macht als eine gesägte.
Spaltschindeln werden vom Schindler oder Schindelmacher hergestellt, indem man eine Rohschindel vom Block spaltet, entweder hydraulisch oder herkömmlich mit Schindelmesser (Kletzhacke) und Schlägel.
Das Holz muss gerad - und feinwüchsig, sowie astfrei sein . Nach dem Ablängen wird es mit einem breiten Messer gespalten und auf der Hainzelbank mit dem Zieh- od. Reifmesser nachbearbeitet . Bevorzugte Hölzer sind , astfreie Lärche , Fichte oder Zeder . Heute werden Holzschindel wieder vermehrt auch aus architektonischen Gründen verwendet .
 

 

Sattler


Sattler ist ein Beruf des lederverarbeitenden Gewerbes.
Der Sattler stellt meist aus Leder oder textilen Stoffen Gegenstände zur Verwendung im Umgang mit Tieren her, wie Sättel, Zaumzeug, Kummet oder anderes Fahrgeschirr .
Sattler und Kummetmacher verarbeiten nur erstklassisches ausgesuchtes Leder , meistens Rindsleder .
Das Rohleder muss in einem geschmeidigen Zustand ohne grosse Narbenbildung sein. Das Leder wird während der Bearbeitung einem sehr grossen Druck ausgesetzt , was zum Aufreissen alter Narben und Rissen führen könnte.

Die zugeschnittenen Lederteile werden von Hand zusammengenäht und der Leib anschliessend gewendet.  Der Leib wird dann mit einer Ledernaht in zwei Kammern unterteilt und sorgfältig mit Roggenstroh gefüllt .
Dieser prall gefüllte Leib oder auch Bauschen genannt wird anschliessend in Form geklopft und nach dem Trocknen auf dem Klesterholz befestigt .
Das ist ein meist natürlich gebogenes Buchen -oder Eschenbrett , auf dem auch Beschläge und Zierbleche angebracht werden .

Die Herstellung von Sättel und Kummeten wäre durch die Technisierung der Landwirtschaft fast in Vergessenheit geraten , aber durch die Renaissance der Pferdehaltung wieder neu belebt worden .

 

 

 

 

 

Töpferei


Die Verarbeitung von Ton und Lehm sowie das Brennen sind wahrscheinlich die ersten Handwerkskünste, die mit der Entstehung der menschlichen Kultur in engem Zusammenhang stehen. Sowohl das Handwerk als auch die Kunst der Töpferei, als älteste Methode zur Herstellung von Gefäßen, behielt über Jahrhunderte ihre Bedeutung.
In ärmeren Ländern dient der Verkauf von Töpferwaren heute noch als wichtige Einnahmequelle. In den weniger entwickelten Ländern, in welchen Strom nicht in ausreichendem Maße und billig zur Verfügung steht, spielen Töpferwaren immer noch eine wichtige Rolle zur Aufbewahrung von Nahrungsmitteln.

Um Tongefäße zu formen, gibt es verschiedene Techniken. Bei der einfachsten werden Tonfladen zusammengesetzt und die Übergänge geglättet . Bei der Wulsttechnik werden dünne Tonstränge ringförmig oder in Spiralen übereinander geschichtet.
Beim Formen mit der Töpferscheibe wird ein in schnelle Drehung versetzter Tonklumpen mit den Händen oder mit Schablonen zu einem runden Gefäß hochgezogen . Nach dem Formen werden die vorgetrockneten Werkstücke gebrannt und dadurch gehärtet. Dazu sind Temperaturen von 450 °C bis über 1280 °C erforderlich .
Nur bestimmte Tone können so hoch gebrannt werden, dass sie verglasen . Dies sind besonders Klinkerton, Steinzeugton und als spezielles Produkt Porzellan . Um auch poröse Tongefäße wasserundurchlässig zu gestalten und auch aus optischen Gründen , werden niedriggebrannte Tongefäße häufig mit einer Glasur überzogen.

Heute werden Tongefäße, vor allem Gebrauchsgeschirre, vorwiegend industriell hergestellt . Die handwerkliche Töpferei dient in den westlichen Ländern meist künstlerischen Zwecken , zur Traditionspflege und als Hobby.

 Holzschuhmacher

 

Früher wurden in den ländlichen Gebieten mangels anderen leistbaren Schuhwerks , das ganze Jahr über Holzschuhe getragen . In Holland und Norddeutschland vorwiegend ganz aus Holz hergestellt , bei uns wurde als Oberteil Leder aufgenagelt .

 

Verwendet wurde in erster Linie leichtes Weichholz wie Pappel oder Erle . Nach dem groben Zurichten der entsprechenden Schuhform und Grösse mittels Säge , Hacke und Ziehmesser wurde das Fussbett mit einem Rund-oder Löffelmesser ausgeschabt . Dazu wurde das Holz in der Hainzelbank eingespannt . Nach dem Feinschliff und Ausbilden der Sohle wurde meist ein Rindlederstück zugeschnitten und mit vielen kleinen Nägel um die Rundung vorne genagelt um eine Faltenbildung zu vermeiden .

Fertig waren die kostengünstigen Schuhe bzw. Pantoffel , die früher von den Bauern oder Knechten in den Wintermonaten gefertigt wurden . Heute erleben die Holzschuhe und Töffler wieder eine Renaissance und werden in allen möglichen modischen Varianten und auch mit beweglicher Sohle vom Handel angeboten .





Fasslbinder

 

auch Küfer , Binder oder Böttcher ,  ist ein Handwerker, der Behälter und Gefäße aus Holz, herstellt.
Hergestellt werden die Fässer aus Dauben, speziell geformten Holzstücken, meistens aus Eiche , die mit eisernen Reifen zusammengehalten werden .
Diese Technik war bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. in Gallien bekannt. In der römischen Kaiserzeit verschickte man nordgallischen und pannonischen Wein überwiegend in Holzfässern.
In unserer Gegend wurden Holzeichenfässer vorwiegend für die Lagerung und Vergärung der Landessäure , dem Most , verwendet .

Zur Bearbeitung der zuvor getrockneten Dauben spannt der Binder das Werkstück in eine Schnitzbank ein und höhlt die Innenseite der Rohdaube mit einem konvex gebogenen Schnitzmesser, dem sogenannten Reifmesser aus. Mit einer speziellen Axt, dem Seitbeil, bearbeitet er die Seitenflächen so, dass sie sich zur Innenseite hin verjüngen. Auf dem Fügbock, einer Art umgedrehtem großen Hobel, werden die nun fast fertigen Fassdauben "gefügt":

Viel Erfahrung und Gefühl erfordert das Feuern. Dafür wird Abfallholz in einem kleinen Eisenkorb entzündet. Die Fassunterseite, auf der noch keine Metallreifen aufgetrieben ist, wird mit dem Seil, der Fasszugwinde umschlungen und stabilisiert. Ein zweites Seil am händisch zu bedienenden Fasszug kommt ebenfalls über den Fasskittel. Wenn die Außenseite des Fasses gut durchnässt ist, wird das Fass über den Feuerkorb gestülpt und ca 45 Minuten, während die Außenwände ständig mit Wasser befeuchtet werden, erhitzt. Mit der Fasszugwinde und dem Fasszug wird der Fassunterteil nun so weit zusammengezogen, bis das Fass in seine bauchige Form gezwungen wurde.

Heute werden moderne Maschinen eingesetzt, um die Arbeitszeit zu verkürzen und schnellere Abläufe zu gewährleisten. Holzfässer werden hauptsächlich noch für die Whiskyerzeugung und für Barriqueweine verwendet .
Auch wurden vom Binder Nischenprodukte wie Holzbadewannen oder Saunatauchbecken hergestellt.

 

 

 

Wagner

 

Wagner (auch Stellmacher) stellten die Holzarbeiten an Wagen für Güter- und Personenbeförderung und Ackergeräten her.
 Das zähe und elastische Eschenholz eignete sich vorzüglich für Gestellteile, Ulmen - und Lindenholz für Naben und Speichen. Für die Herstellung des Wagenkastens und der Radfelgen wurde gerne zum Holz der Buche gegriffen.

Am besten geeignet für die Radnabe ist das Holz der Ulme oder Rüster. Auf der Drehbank wird die Nabenform abgedreht und danach mit dem Radnabenbohrer das durch die Nabe führende Buchsenloch, in das die metallene Buchse gesteckt wird, gebohrt . Ist die notwendige Speichenanzahl eingeteilt („ausgezirkelt“), werden Löcher vorgebohrt und die Einstecklöcher für die Speichen mit dem Vierkantlocheisen ausgestemmt. Für die Speichen werden aus Eschenholz Leisten geschnitten , abgerundet und die Speichenform herausgeschnitzt. Das Einschlagen der Speichen in die Nabe erfolgt auf dem Radstock. Zuvor jedoch muss die Nabe vom Schmied beschlagen und mit Eisenreifen überzogen werden. Nabe und Speichen kommen auf den Dreifuß, wo die zuvor ausgezirkelten und grob zugeschnittenen Felgenteile kreisförmig auf die Speichen für das Anzeichnen der Felgenrundung gelegt werden. Für das Einzapfen der Speichen werden diese an der zuvor angezeichneten Stelle eingeschnitten und mit dem Reifmesser die runden Zapfen geschnitzt.
Nach dem Einsetzen der einzelnen Felgenteile wird von einem Schmied der eiserne Radreifen aufgezogen.
 

 

  
   

  

Strohkorb (Brotsumper) flechten

 

Ein Handwerk das bei uns mehr oder weniger ausgestorben ist  ist das Brotsumperflechten . Früher wo noch auf jedem Bauernhof selbst wöchentlich das Brot gebacken wurde , war der "Sumper" ein unverzichtbares Behältnis . Der Germteig wurde damit zum "gehenlassen" über Nacht gelagert .

 

Eigentlich werden diese Strohkörbe aus Roggenstroh nicht geflochten, sondern die Strohwülste werden mit gespaltenen und gehobelten Weidenruten vernäht. Strohkörbe sind in ihrer Produktion sehr aufwendig und es bedarf mehrerer Vorbereitungsarbeiten, da zuerst das Roggenstroh angebaut und von Hand geerntet werden muss , da das Stroh aus der Mähdruschtechnik nicht verwendet werden kann . Weiters muss es durch Abkochen keimfrei gemacht werden .

Nur mehr vereinzelt gibt es ältere Leute , die dieses Handwerk beherrschen , aber wegen der geringen Nachfrage besteht leider wenig Interesse dieses auch weiterzugeben und fortzuführen .

Federkielsticken

 

In der Federkielstickerei werden mit den gespaltenen Kielen der Oberschwanzfedern vom Pfau in kunstvoller Handarbeit lederne Geldtaschen, Handtaschen und andere Lederwaren bestickt .
Seine Hauptbedeutung hatte es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Anfertigung der Dekoration der Tracht, insbesondere der Träger von Lederhosen oder dem Leibgurt .
Eine solche Tracht war ein beträchtliches Statussymbol.
Verbreitet war dieses Handwerk vor allem im Alpenraum Süddeutschlands, im Tiroler Raum, dem Salzburger Land und dem Salzkammergut.
 In zahlreichen Heimatmuseen des Alpenraums sind noch prachtvolle alte Stücke zu besichtigen.
Federkielsticken ist ein altes Kunsthandwerk, das nur mehr von wenigen Menschen beherrscht wird.
Vor allem das Spalten der Fäden aus den Kielen der langen Pfauenschwanzfedern, die regelmäßig, reißfest und in verschiedenen Stärken sein sollten, ist nicht so einfach zu machen .
Wenn die Fäden bereit stehen, muss das Muster gezeichnet und auf das Leder übertragen werden.
Erst dann kommt man zum eigentlichen Federkielsticken. Mit der Ahle wird Stich für Stich vorgestochen, dann zieht der Sticker den Federkielfaden durch.
So werden Blatt, Schlauch und Lasche oder Spitz separat bestickt, bevor die Endarbeit, das Zusammennähen, vorgenommen werden kann. So ein Ranzen ist vom ersten bis zum letzten Arbeitsschritt reine Handarbeit.

Heute beherrschen nur mehr wenige Handwerker diese Fertigkeit, sind aber in Zeiten, in denen das Tragen von Tracht modern ist, gefragte Spezialisten.


Seifensieder

 

Seifen werden in der Regel aus pflanzlichen oder tierischen Fetten hergestellt . Hauptsächlich werden pflanzliche Fette wie, Palmöl,  Kokosfett , Sonnenblumenöl, Maisöl, Sojabohnenöl oder tierische Fette wie Talg, Schmalz oder Fett aus Knochen, die bei der Tierverwertung anfallen, verwendet .
Beim Kochverfahren das insbesondere im Mittelalter angewendet wurde, werden aus tierischen Komponenten wie Schmalz, Talg und Fett unter Zugabe von Wasser und Pottasche Kernseife hergestellt. Das Gemisch wird in großen Kesseln stundenlang auf Siedetemperatur verkocht. Von diesem Verfahren stammt auch die Bezeichnung Seifensieder, wie Seifenhersteller auch genannt werden.
Heute wird mit Natron oder Kalilauge für diesen chemischen Prozess verwendet .
 Dabei werden die Fette und Öle in Glycerin und in die eigentliche Seife zerlegt. Diese  „Kernseife“ wird in einer Mischanlage grob vermischt und das daraus entstandene Produkt mit Farbstoffen, Parfum, Kräutern, ätherischen Ölen und je nach Seifenart auch mit dem hautfreundlichen Schafwollfett Lanolin angereichert. Anschließend wird diese Masse gut verrührt und in Formen gegossen oder zu einem Strang geformt und in die gewünschten Grössen gestanzt . Nach einiger Ruhezeit kann dann die Seife verwendet werden .

Vogelschnitzen

 

Diese Art Vögel zu schnitzen ist lokal typisch in meist waldreichen Gebieten wie z.B. im bayrischen Wald oder auch im Salzkammergut und hat speziell in der Region um Viechtau und Neukirchen bei Altmünster lange Tradition .
In dieser Gegend arbeiteten die meisten Männer als Holzknechte und schlägerten und transportierten große Mengen Brennholz für die Befeuerung der Sudpfannen nach Ebensee zur Salzgewinnung. Da Holz in reichlicher Menge vorhanden war, begannen die Menschen, alle im damaligen Haushalt und in der Landwirtschaft gebräuchlichen Gegenstände herzustellen. Die Viechtau wurde zum Zentrum der Hausholzindustrie.
In jeder Familie wurden Holzwaren hergestellt, und jedes Haus hatte eine andere Spezialität . Produziert wurden Pinselgriffe, Spanschachteln, Klupperl, Teller, Löffel, Spielzeug und auch Vögel .

Man erzählt , ein junger Bursch wollte seiner Liebsten ein Geschenk machen und mangels Geld schnitzte er ein Vögelchen bemalte es schön und so war das Vogelschnitzen geboren .

In letzter Zeit lebt diese Viechtauer Tradition wieder auf und wird durch die engagierten Schnitzer Fritz Lüftinger und Hans Hofstätter aber auch durch Franz Xaver Gruber aus der Hausruckregion wieder vermehrt gefördert .

 

 

 

 

Reitern oder Holzsiebmacher

 

Reitern und andere Holzprodukte für den häuslichen Bedarf wurden früher vorwiegend in industrieschwachen holzreichen Gebieten in Heimarbeit als Zuerwerb zu meist kleinen Landwirtschaften hergestellt . Meistens machten einzelne Familien jeweils eigene Produktgruppen und wurde auch teilweise wegen des hohen Holzverbrauchs gebietsweise reglementiert.
Für Reitern in jeder Siebgrösse wurde ähnlich wie bei Spanschachteln dünne Holzstreifen ausgesägt die dann zu einem Kreis gebogen , verleimt und vernagelt wurden . Nach dem Aufspannen des eigentlichen Siebgitters in den verschiedenen Maschenweiten wurde dieses mit einem weiteren äusseren Holzring fixiert .

Vertrieben wurden diese Reitern und Siebe wie auch viele anderen Kurzwaren für den Haushalt , wie Bürsten, Körbe, Pfannen, Tonwaren , usw . von fahrenden Händlern , Hausierern , Bandlkramern , früher auch Zigeuner aus den ehemaligen k.u.k. Ländern .

Heute gibt es diese Siebe in speziellen Kurzwarengeschäften , industriell hergestellt , da solche Siebe nach wie vor für Mehle und ähnliches gebraucht werden .



 

 

 

Goldhauben sticken

 

Die Herstellung einer Goldhaube ist sehr zeitaufwendig und erfordert viel Geschick und Geduld. Ein ca 16 x 112 cm langes Goldstoffband wird gewebt und in einen Stickrahmen eingespannt. Entweder wird das Stickmuster nach freier Phantasie entworfen oder es wird von alten Goldhauben nachgemacht. Was aber schliesslich auf das Gewebeband gestickt wird, macht dann die Pracht und den Wert der Haube aus.
Goldhauben selbst bestehen aus einem Drahtgerüst, dass mit dem Stoff überzogen wird, der mit Goldflinserln und Perlen bestickt wurde. Die Goldhaube ist am Hinterkopf als Bündel oder Knauf geformt und ist mit einer kunstvollen Schleife aus versteiftem Tüll oder schwarzer Borte versehen .
 Jede Goldhaube ist an den Kopf ihrer Trägerin genau angepasst . Auch die Muster und Perlen sind individuell gewählt und zusammengestellt. Daher ist jede Goldhaube ein Unikat.

Das Aussterben der Trachten im 19. Jahrhundert brachte die meisten Goldhauben in Vergessenheit. Heute werden sie im Zuge der Trachtenerneuerung wieder gepflegt und getragen und ihre Herstellung in Kursen gelehrt. Wegen des hohen Arbeitsaufwands ( ca300 Stunden) und der entsprechend hohen Kosten werden sie fast ausschließlich in Eigenarbeit gefertigt. Vor allem in Oberösterreich und in Salzburg wird die Goldhaube heute wieder von Frauen an hohen kirchlichen Festtagen getragen.

 

 

 

 

 

Zwirnknopf nähen

 

Knöpfe sind schon seit frühester Zeit bekannt – erst als Schmuck, später als Verschluss mit Schlinge und Knopfloch. Über einen langen Zeitraum hinweg wurden Gebrauchsknöpfe und kunstvolle Schmuckknöpfe aufwendig von Hand hergestellt. Dazu gehörten die Zwirnknöpfe, deren einfachste Ausführung für Bettwäsche und Kleidung diente, aber auch über Holzrohlinge gewickelte Posamentknöpfe mit kunstvoller Ornamentik .
Ausgangspunkt ist der vorgefertigte Metall- ( Alu ) Holz- oder auch heute Kunststoffring in den verschiedenen Grössen , der dann mit weissem oder färbigem Garn bestickt wird .
Heutzutage gibt es das Handwerk des Knopfmachers kaum noch, der überwiegende Teil der Knöpfe wird industriell gefertigt .
Jedoch hat die Begeisterung für individuelle, unverwechselbare Kleidung und Accessoires abseits kommerzieller Massenware das Interesse an selbstgemachten Knöpfen und alten Techniken vereinzelt wiederbelebt.

 

 

 

 

 

Brunnenrohrbohrer

 

Holzrohre waren früher beim Brunnenbau gang und gäbe. Auch die Wasserleitungsrohre waren aus Holz .
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden überall die Metallrohre verwendet.
Das Brunnenrohr bohren ist eine eigene Wissenschaft. Man bohrt genau nach dem Kern, und das erfordert ein spezielles Gefühl für Holz.
Als Rohmaterial wurden bevorzugt Tannen oder Lärchen verwendet. Gerade sollten sie sein. Das Harz im Holz wirkt imprägnierend und zögert den Verrottungsprozess hinaus.
Der ans Tageslicht kommende Holzkern wird genau begutachtet, gilt er doch als Parameter, ob man in der Mitte unterwegs ist. Anhand des Kerns wird der Bohrer auf dem Bock hin und her geschoben und in der Höhe eingerichtet. Das Vorbohren ist Präzisionsarbeit und ein Kraftakt.

Nur mehr in den Freilichtmuseen wie z.B: dem Stehrerhof oder in Grossgmain kann man diesem mühsamen Handwerk zuschauen.

 

 

 

 

Abdecker oder Schinder

Als unehrliche Berufe galten im Mittelalter von der Gesellschaft verachtete Berufe. Dazu gehörte auch der Beruf des Abdeckers . 

Er hatte die Aufgabe, verendete Tiere weiter zu verarbeiten; die Bauern waren verpflichtet, ihm alle toten Tiere zu bringen.
Der Abdecker zerlegte die Kadaver. Die Knochen wurden in Seifensiedereien zu Seife verarbeitet, die Felle in Gerbereien zu Leder. Fauliges Fleisch ging in die Salpetersiedereien.
Wegen der Geruchsbelästigung der Arbeit lag seine Wohn- und Arbeitsstätte weit vor dem Dorf auf der windabgewandten Seite.

Dieser Beruf war gesellschaftlich so ausgegrenzt, dass die Schinder kaum öffentlichen sozialen Kontakt hatten. Selbst im Gasthaus hatten sie ihren eigenen Tisch. Sie konnten auch nur untereinander heiraten, weswegen die meisten Abdecker eines Landes untereinander verwandt waren. Durch ihre Abgeschiedenheit waren Abdeckereien auch ein beliebter Treffpunkt und Unterschlupf für Deserteure und Verbrecher.

 

 

 

 

 

Müller

 

Im Mittelalter noch als „unehrlich“ verpönt und heute hochtechnologisch: Der Beruf des Müllers! Nicht viel hat sich dagegen an der Hauptaufgabe des Müllers geändert, nämlich der Herstellung von Mahlerzeugnissen, wie Mehl, Öl oder Gewürzen.
Müller galten früher im ländlichen Raum auch als relativ wohlhabend. Mühlen waren meist in Familienbesitz und wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Bei sogenannten Pachtmühlen war der Besitzer der Mühle meist der Grundherr, welche vom Pachtmüller betrieben wurde.

Da die Arbeitsabläufe in Mühlen und Mischfutterbetrieben inzwischen weitgehend technisiert worden sind, werden in der Mühlen nur wenige Arbeitskräfte gebraucht. Diese aber müssen gut ausgebildet sein, umfassende Fachkenntnisse mitbringen. Es setzt organisatorisches, technisches und sowohl auch kaufmännisches Denken und Handeln voraus.

 

 

 

 

wird nach und nach erweitert

 

 

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